Queerspringer-Chronik

August 1998
Gay Games 1998 In Amsterdam finden die GAYGAMES statt, ein Schachturnier eingeschlossen. Mit dabei waren Holger Franke und Gerd Müller aus Berlin, die abends beim Bier ankündigten, im nächsten Jahr in Berlin ein Schachturnier für Lesben und Schwule auszurichten, da für 1999 keine Eurogames geplant waren.
13. – 15. Mai 1999
EuroChess 1999 Das von Holger und Gerd angekündigte Turnier haben sie tatsächlich organisiert: EuroChess99, das Turnier für lesbische, schwule und andere Schachfreunde findet vom 13. – 15.5. in Berlin statt. Mit dabei waren unter anderem Wolfgang Brüning, Thomas Schaaf, Karin Timme, Axel Neffe, Frank Sorgenfrei, Peter Schmeißer und natürlich Gerd Müller und Holger Franke.
Sommer/Herbst 1999
Die vier letztgenannten kamen überein, den Kontakt aufrecht zu erhalten und eventuell eine Schachgruppe für Schwule zu gründen. Potential schien in Berlin genug da zu sein ...
Bei Peter in der Reinhardtstr. 11 trafen wir uns zwei Mal, um das Projekt voran zu bringen. Holger kümmerte sich um Spielmaterial, Peter rührte eifrig die Werbetrommel und konnte mit der Wirtin der Kantine im Deutschen Theater aushandeln, dass sie uns sonntags einen Nebenraum in der Kantine kostenlos überlässt.
Am 27. September verschickte Holger per Mail, u.a. auch an Beate Kießling, eine Einladung zum 1. Treffen am 10. Oktober in der "Gruft" der DT-Kantine.
Am 6. Oktober nahmen Holger und Peter an einer Erweiterten Vorstandssitzung von VORSPIEL teil. Auf unseren Antrag hin beschließt diese Runde, Schach als neue Sportart bei VORSPIEL anzubieten. Eine konstituierende Abteilungsversammlung muss stattfinden.
10. Oktober 1999
Deutsches Theater Erster Spielabend mit 7 Teilnehmern – wer konkret dabei war, ist leider nicht überliefert. Es waren wohl: Holger, Gerd, Peter, Frank, Martin Groß und Beate. Und der siebente war ??? Von diesem Abend an trafen wir uns erst im 14-Tage-Rhythmus sonntags abends im DT, später dann wöchentlich.
Peter betrieb sehr aktiv die "Öffentlichkeitsarbeit": In allen damals gängigen Publikationen für die schwule Berliner Szene erschienen Anzeigen und/oder redaktionelle Beiträge. Der Erfolg war gut: Die Gruppe wuchs schnell ...
12. Dezember 1999
Nachdem der VORSPIEL- Vorstand am 1.12. seinen Beschluss vom 6.10. noch einmal bestätigte, lud Peter per Mail zur "Gründungsversammlung der Vorspiel-Abteilung Schach am 12. Dezember" ein. Ein Protokoll dieser Versammlung existiert leider nicht. Holger ist wohl der "Sportchef" geworden, Peter der Abteilungsleiter.
6. Februar 2000
Seit Februar 2000 trafen wir uns wegen des regen Interesses dann jeden Sonntag.
18. Juni 2000
Die "Gruft" in der Kantine des DT war mittlerweile wirklich zu eng geworden. Wir mussten teilweise schon auf die Restaurant-Tische davor ausweichen. Das ging auf die Dauer nicht ...
Peters Kontakte ins Bezirksamt Friedrichshain brachten uns die Möglichkeit, die Seniorenfreizeitstätte Schreinerstr. 53 in Friedrichshain kostenlos zu nutzen. Am 18. Juni 2000 trafen wir uns dann erstmals dort. Jedoch: Dieser Umzug sollte sich als fataler Fehler erweisen ...
28. Juni 2000
Wir prüfen die Möglichkeit, mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Berliner Mannschaftsmeisterschaft im Schach teilzunehmen. Peter suchte die Kontakte zum BSV, am 28. Juni führte er ein mittlerweile legendäres Telefonat mit Alfred Seppelt, dem Präsidenten des BSV: Ein Schachverein für Schwule und Lesben liegt ihm offenbar schwer im Magen. Wie es denn bei uns mit dem Nachwuchs klappen könne und soll? Denn gerade der Nachwuchs sei doch gaaannnz wichtig für jeden Verein! Und auch: Es würde natürlich jemand vorbeikommen und prüfen müssen, ob denn unser Spielmaterial auch den Vorschriften entspricht, zum Beispiel, ob die regelgerechte Königshöhe eingehalten wird ...
15. – 17. Sept. 2000
Wir organisierten EUROCHESS2000 im Rathaus Schöneberg. Die Reihe sollte Tradition werden, und wir wollten mit der Werbung für das Turnier in allen schwulen Info-Blättern natürlich auch gleichzeitig für unsere Gruppe werben.
15. Oktober 2000
Waren die Schachspieler nach dem EUROCHESS müde? War die Schreinerstr. zu sehr "ab vom Weg"? Jedenfalls war an diesem Tag außer Peter niemand zum Schach gekommen!
12. November 2000
Für diesen Tag war eine "Vollversammlung" anberaumt, um die weitere Entwicklung der Gruppe zu diskutieren. Im Ergebnis war klar: Wir brauchen wieder ein günstiger erreichbares Spiellokal. Und: Wir streben unbedingt weiter die Teilnahme an der BMM an – dafür brauchen wir aber mehr eingetragene Mitglieder!
16. September 2001
Das Mann-O-Meter Am 13. Juli suchten wir auf Beates und/oder Holgers Initiative den Kontakt zum Mann-O-Meter, um eventuell dort die Spielabende zu organisieren. Wir wurden freudig empfangen: MOM-Mitarbeiter und EuroChess99-Teilnehmer Thomas Schaaf wollte unsere Schachgruppe schon längst ins MOM geholt haben ...
Am 16.9.2001 trafen wir uns erstmals in den neuen und gerade eröffneten Räumlichkeiten des MOM – die Schreinerstraßenabgeschiedenheit war überwunden und wir hofften auf wieder bessere Zeiten ...
Herbst/Winter 2001/02
Interessierte gab es wieder deutlich mehr, VORSPIEL-Mitglied wollte aber keiner werden. Vor allem wohl wegen der hohen jährlichen Beiträge: 242 DM bzw. dann 132 €. Eine reguläre Mitgliedschaft im Verein war aber Voraussetzung, damit VORSPIEL die Mitgliedschaft im BSV beantragen kann und wir mit einer Mannschaft starten können ...
So keimte die Idee, einen eigenen Verein zu gründen, der durch kleine Mitgliedsbeiträge vielen eine reguläre Mitgliedschaft ermöglichen könnte ... Wir gingen ans Werk: Beate klärte alle Notwendigkeiten für einen BSV-Eintritt, Peter zimmerte aus mehreren Vorlagen einen Satzungsentwurf, Holger erfragte die nötigen amtlich-gerichtlichen Schritte für eine Vereinsanmeldung ...
3. März 2002
Gründungsversammlung des QUEER-SPRINGER SSV BERLIN. Beate übernimmt den Vorstand, Holger ist der Spielleiter, Peter der Schatzmeister. Er war auch der Namensgeber: Sein Vorschlag setzt sich nach eingehender Diskussion durch gegen unter anderem: Damenläufer, Gegenspiel, Anders-sen, Rainbow-Schachklub, Schachschlampen, ...
Der Beitrag wurde auf 6,- | 72,- € (monatlich/jährlich) bzw. 4,- | 48,- € festgesetzt ....
April 2002
In der SIEGESSÄULE erscheint ein schöner, bebilderter Beitrag über uns.
1. / 16. Mai 2002
Mit Schreiben vom 16. Mai teilt uns der Berliner Schachverband (Unterschrift: Alfred Seppelt!) mit, dass unserem Antrag auf Aufnahme in den Verband rückwirkend zum 1. Mai 2002 entsprochen wurde.
Sommer 2002
Simone Zoladz kreiert unseren munteren Springer als Logo:
29. September 2002
Erster Auftritt einer Queer-Springer-Mannschaft in der BMM! In der Staffel 4.3 spielen wir auswärts bei der 5. Mannschaft von SK Tempelhof 1931 in der Besetzung Holger Franke, Peter Süß, Martin Groß, Peter Schmeißer, Matthias Stöbe, Martin Ziegler, Beate Kießling und Ludwig Stallmann. Alle gewinnen glatt, Ludwig mühe- weil kampflos. 8 : 0 für uns. Mit 15 : 1 MP und 49 BP (aus 8 Runden) gewinnen wir am Ende dieser Saison dann klar die Staffel und steigen auf! Mit 7 aus 7 (Holger) bzw. 5 aus 5 (Matthias und MartinZ) beenden drei von uns die1. QUEER-SPRINGER-Saison mit 100% !
Übrigens, MartinG erinnert sich noch an ein schönes Angebot an diesem 1. Spieltag: Eine Spielerin der Tempelhofer wunderte sich sehr, warum wir denn einen weiteren Berliner Verein gegründet hätten und bot uns an, allesamt in den von Nachwuchssorgen (!) geplagten SK Tempelhof 1931 einzutreten ...